Begrenzte Ewigkeit

Kaum ein Ort erzählt uns so viel über unser Verhältnis zum Tod – und zum Leben – wie ein Friedhof. Da, wo die Menschen "das Zeitliche gesegnet" haben, wo sie hoffen, die "ewige Ruhe" zu finden, entsteht eine besonders sensible Beziehung zwischen der Vergänglichkeit des Menschen und seiner Sehnsucht nach – zumindest symbolischer – Unsterblichkeit. Um dem Tod zu trotzen, setzt sich der Mensch Denkmäler in Form von Gedenktafeln, Skulpturen oder Gemäuern für die sterblichen Überreste. Doch mit der Erinnerung an ihn verblasst auch allmählich der Glanz, bröckelt der Schmuck, verfallen die Werke. Und letztlich gewinnt immer wieder die Natur die Oberhand, wächst sich in das menschliche Werk hinein, in einem unbeirrbaren, geduldigen Wechsel von Werden, Vergehen und Erneuerung. Mich interessierte der Kontrast zwischen diesem offensichtlichen (und offensichtlich vergeblichen) Versuch des Menschen, sich vermeintliche Ewigkeit zu verschaffen, und dem Kreislauf der Natur als einzig wirklicher Ewigkeit. Es ist vielleicht der verzweifeltste und zugleich aussichtsloseste Kampf des Menschen gegen die Natur. Daher wollte ich in meinem Projekt nicht allein den Verfall und die Renaturierung der Gräber fotografisch darstellen, sondern auch die Versuche der Nachwelt, der zukünftigen Toten, dem Verfall etwas entgegenzusetzen, sowie die Anzeichen von Resignation angesichts der Unaufhaltsamkeit dieses Prozesses. Lara Melin

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